Machbarkeitsstudie: PV-Anlage auf bisherigen Weinbergflächen
Machbarkeitsstudie der LSBW in Erlenbach
Wie können bisherige Weinbergflächen künftig genutzt werden? Diese Frage gewinnt zunehmend an Bedeutung – insbesondere im Kontext der Energiewende.
Im Auftrag des Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) hat die LSBW daher beispielhaft untersucht, ob sich eine PV-Freiflächenanlage auf einer Weinbergfläche in Erlenbach realisieren lässt. Ziel war es, erstmals belastbare Grundlagen für diese Form der Folgenutzung zu schaffen.
Ziel: Orientierung für vergleichbare Projekte
Ideen zur Nutzung ehemaliger Weinbergflächen für Photovoltaik gibt es bereits seit Längerem. Konkrete Erfahrungen oder belastbare Vergleichswerte aus umgesetzten Projekten fehlen jedoch bislang.
Die Machbarkeitsstudie sollte daher am konkreten Standort aufzeigen:
- welche Projektschritte erforderlich sind,
- welche Kosten entstehen,
- welche Herausforderungen zu erwarten sind,
- und wie sich die Wirtschaftlichkeit darstellt.
Damit liefert sie eine fundierte Entscheidungsgrundlage für weitere Projekte mit vergleichbaren Ausgangsbedingungen.
Besondere Anforderungen am Standort Weinberg
Im Vergleich zu klassischen Acker- oder Brachflächen stellen ehemalige Weinbergflächen besondere Anforderungen.
Vor allem die topografischen Gegebenheiten – insbesondere steile Hanglagen – wirken sich direkt auf Planung, Bau und Betrieb aus. Dies hat unmittelbaren Einfluss auf die Investitions- und Betriebskosten und damit auf die Wirtschaftlichkeit.
Planungsrechtlich und technisch grundsätzlich möglich
Die Untersuchung zeigt:
- Planungsrechtlich bestehen keine erkennbaren Ausschlusskriterien. Restriktionen sind vorhanden, können aber im Verfahren berücksichtigt werden.
- Technisch ist die Umsetzung ebenfalls möglich. Weder die Topografie noch standortbedingte Faktoren stellen unüberwindbare Hindernisse dar.
- Auch die Netzanbindung ist grundsätzlich gut realisierbar.
Kosten deutlich höher als auf Standardflächen
Ein zentraler Bestandteil der Studie war die detaillierte Kostenanalyse. Grundlage hierfür war unter anderem ein präzises Höhenlinienmodell, das die stark variierenden Neigungen im Plangebiet abbildet.
Das Ergebnis: Die Installationskosten liegen etwa 8–10 % über dem Niveau vergleichbarer Anlagen auf ebenem Gelände. Hauptursache sind die erhöhten Anforderungen an Unterkonstruktion und Montage in Hanglagen. Zusätzlich wurden Kosten für Planung, Gutachten sowie Betrieb und Unterhalt umfassend erfasst – von Wartung und Pflege bis hin zu Verwaltung und Pacht.
Wirtschaftlichkeit aktuell nicht gegeben
Die zentrale Erkenntnis der Studie:
Unter den Rahmenbedingungen des ersten Halbjahres 2025 – insbesondere im Hinblick auf EEG-Ausschreibungen und Kostenstrukturen – ist eine wirtschaftlich tragfähige Umsetzung am untersuchten Standort nicht gegeben und daher derzeit nicht zu empfehlen.
Chancen bei veränderten Rahmenbedingungen
Gleichzeitig zeigt die Sensitivitätsanalyse: Die Wirtschaftlichkeit reagiert sehr stark auf einzelne Einflussfaktoren.
Bereits Veränderungen bei
- Stromerlösen,
- Investitionskosten oder
- Finanzierungsbedingungen
können dazu führen, dass Projekte künftig wirtschaftlich darstellbar werden.
Daraus ergibt sich eine klare Empfehlung: Jeder Standort muss individuell bewertet werden.
Praktische Hilfe für Kommunen und Projektträger
Um die Ergebnisse übertragbar zu machen, wurde im Rahmen der Studie eine Checkliste entwickelt. Diese unterstützt Interessenten dabei, die wesentlichen planungsrechtlichen und technischen Kriterien für ihren eigenen Standort systematisch zu prüfen.
Fazit
Die Studie zeigt: Photovoltaik auf ehemaligen Weinbergsflächen ist grundsätzlich möglich – aktuell jedoch häufig wirtschaftlich herausfordernd. Gleichzeitig schafft die Untersuchung erstmals eine fundierte Grundlage, um solche Projekte künftig realistisch bewerten und gezielt weiterentwickeln zu können.


